Antifaschistische Aktion Werne http://afawerne.blogsport.de Sun, 22 Mar 2020 17:04:59 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Werne, Corona und die Linke http://afawerne.blogsport.de/2020/03/22/werne-corona-und-die-linke/ http://afawerne.blogsport.de/2020/03/22/werne-corona-und-die-linke/#comments Sun, 22 Mar 2020 17:04:59 +0000 afawerne Allgemein http://afawerne.blogsport.de/2020/03/22/werne-corona-und-die-linke/ Vermutlich ist der einen oder dem anderen aufgefallen, dass hier auf unserem Blog nicht so viel los war. Daher schon einmal vorweg: Keine Sorge, es gibt uns noch. Allerdings waren wir in letzter Zeit tatsächlich auf unserem Twitter-Kanal wesentlich aktiver. Das wird sich in den nächsten Wochen wohl erstmal nicht ändern. Einer der Gründe dafür ist die aktuelle Corona-Epidemie, die Mitte der Woche nun auch Werne erreicht hat. An dieser Stelle möchten wir einige unserer Überlegungen zu dem Thema mit euch teilen und Tipps geben, wie sich auch in Zeiten von langen Aufenthalten in den eigenen vier Wänden politische Aktivität gestalten lässt.

Was bedeutet Corona für uns?

Zunächst einmal werden wir als Gruppe unsere Aktivitäten ein wenig zurückfahren müssen. Versammlungen gibt es nicht mehr und bereits geplante Demonstrationen und Proteste wie die Gedenkdemonstrationen in Dortmund an Thomas Schulz und Mehmet Kubaşık oder die Proteste in Münster für sexuelle Selbstbestimmung wurden abgesagt, um die Verbreitung des Coronavirus‘ nicht aktiv zu beschleunigen. Weitere Veranstaltungen werden in nächster Zeit nicht stattfinden können.
Nichtsdestotrotz bleiben wir weiterhin für euch via Mail oder Twitter erreichbar. Wir begleiten weiterhin das politische Geschehen kritisch und behalten die Aktivitäten von Rechten im Blick – denn Neonazis hören natürlich nicht auf, Neonazis zu sein, nur weil sie husten beim Hetzen.

Und ihr so?

Politische Aktivität gestaltet sich, wie bereits erwähnt, aktuell schwierig. Wir haben trotzdem ein paar Tipps für euch, wie ihr euren Alltag auch abseits von Netflix und Häkeln gestalten könnt:

1. Solidarität ist die Alternative – auch im Umgang mit Corona!
Ja, auch die Solidarität im Umgang mit Corona ist für uns politisch. Das beginnt dabei, dass ihr euch darum bemühen könnt, das Virus nicht aktiv weiterzuverbreiten und so gut es geht, versucht, gesund zu bleiben. Denkt daran, dass andere, die ihr eventuell ansteckt, vielleicht weniger gute Chancen haben, die Krankheit mit geringen Symptomen zu überstehen und handelt entsprechend. Informiert euch darüber, wie ihr euch schützen könnt und versucht, auf andere entsprechend einzuwirken.
Darüber hinaus könnt ihr, wenn ihr das Glück habt, nicht zu den Risikogruppen (z.B. Vorerkrankte und Alte) zu gehören, etwas eurer Zeit opfern und genau diese Menschen unterstützen. In vielen Städten sind bereits Strukturen entstanden, die z.B. die Übernahme von Einkäufen oder die Pflege von Haustieren für Menschen organisieren, die selbst das Haus nicht verlassen können. Dort könnt ihr mit anpacken oder selbst solche Netzwerke aufbauen. Das ist gelebte Solidarität. Hier in Werne existieren ebenfalls einige solcher Strukturen. Tipps zum Aufbau findet ihr z.B. hier.
Zusätzlich lohnt es, auf dem Laufenden über die aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus zu bleiben. Auch in Werne wurde bereits einiger Unfug zu dem Thema verbreitet. Panikmache hilft niemandem. Falschinformationen, Verschwörungstheorien oder Relativierungen genauso wenig. Wir sind sicherlich nicht die ersten, möchten euch aber dennoch an dieser Stelle auf den Podcast des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten im NDR hinweisen, der einen guten Überblick über die Situation verschafft. Außerdem ist das Robert-Koch-Institut (RKI) selbst eine seriöse Quelle, obwohl Scharlatane in der Vergangenheit bereits das RKI als angebliche Quelle für ihren Unsinn missbraucht haben, um sich selbst einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Zudem bemühen sich viele Zeitungen um eine sorgfältige Berichterstattung zu dem Thema. Prüft also nach Möglichkeit, wenn online oder im Bekanntenkreis seltsame „Geheimtipps“ für den Umgang mit Corona verbreitet werden.

2. Bildet euch und in Zukunft dann andere und Banden!
Anstatt auf Demos zu gehen und sich dort die hochinteressanten Redebeiträge zu geben, könnt ihr auch zu Hause einiges für eure politische Bildung tun. Der Klassiker ist natürlich das Durcharbeiten des eigenen Bücherregals. Wenn ihr nicht jetzt Zeit für die Lektüre der super schlauen Marx-, Adorno- und ähnlichen Bücher habt, wann dann?
Wer nicht so scharf auf’s Lesen kompletter Bücher ist oder einfach nicht die Kohle hat, um Unmengen an Lesestoff anzusammeln, kann viele interessante Dinge online lesen. Vom Blog eurer lokalen Antifa-Gruppe über das Onlineangebot von linken Zeitungen und Magazinen, von leichten Textchen über ellenlange Rechercheartikel bis hin zu dem verkopften Theorietext, der euch immer zu lang war, um mit dem Lesen überhaupt anzufangen, gibt es ein riesiges Angebot im Internet, um euch die Zeit zu vertreiben und etwas dabei zu lernen. Schließlich wissen wir alle, dass gute Theorie wichtig ist für eine gute Praxis! Hier ein paar Tipps von unserer Seite: Lotta-Magazin, Antifaschistisches Infoblatt, der rechte rand, Straßen aus Zucker, Gruppen gegen Kapital und Nation, analyse & kritik, Münsterland Rechtsaußen – um nur einige wenige zu nennen!

Wer kein Spaß am Lesen hat, für die*den bietet sich vielleicht ein Blick in die zahlreichen Audioarchive an. Auf vielen Seiten könnt ihr euch z.B. kostenlos Audiomitschnitte von Vorträgen und Ähnlichem anhören, die ihr bequem laufen lassen könnt, während ihr andere Dinge tut. Ein paar Beispiele gefällig? Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis, Emanzipation und Frieden, The Nokturnal Times, MrMarxismo, freie-radios.net
Zu guter Letzt gibt es noch linke Radios, die ihr online hören könnt. Das bekannteste dürfte das Freie Sender Kombinat aus Hamburg sein, das eine Fülle an kulturellen und politischen Inhalten bietet. Wer lieber was Regionaleres haben möchte, dem sei das neue Radio Nordpol empfohlen. Der Nordpol ist eine linke Kneipe aus Dortmund, die zwar wegen der Epidemie geschlossen ist, dafür aber ein Radio geschaffen hat, um weiter Inhalte und Co. verbreiten zu können. Reinhören lohnt sich!
Übrigens: Besagter Nordpol ist während der Schließung auf Spenden angewiesen, um laufende Kosten zu decken. Falls ihr also das Glück habt, etwas mehr auf der hohen Kante zu haben, könnt ihr Projekte wie den Nordpol in dieser Zeit mit Spenden unterstützen. Schaut dafür einfach mal auf den Seiten solcher Projekte vorbei oder schreibt eine Mail.

3. Neonazis auf die Finger schauen!
Wie wir weiter oben bereits erwähnt haben, bleiben natürlich auch Neonazis und andere Rechte nicht untätig. Ihr hattet bislang zwischen Schule, Arbeit, Studium nie die Zeit, ihnen in Kommentarspalten die Stirn zu bieten? Dann viel Erfolg! Ihr wolltet schon immer mal eure gesammelten Infos über rechte Strukturen in eurem Viertel ordnen, um sie euren lokalen Recherchestrukturen zukommen zu lassen? Auf geht’s! Neonazis lässt sich nicht nur auf der Straße Paroli bieten. Überlegt euch, was ihr euch zutraut und für sinnvoll haltet und legt los!

4. Kreativ werden!
Nur weil ihr keine Menschenmengen mehr auf dem Marktplatz zusammentrommeln könnt und soziale Kontakte einschränken solltet, bedeutet das nicht, dass ihr nun dazu verdammt seid, in eurem Zimmer zu hocken und nichts zu machen. Denkt nach, werdet kreativ und findet Wege, unter den gegebenen Umständen noch politisch aktiv zu bleiben. In Bayern z.B. verlegten Klimaaktivist*innen ihre Proteste unter dem Hashtag #NetzstreikfürsKlima kurzerhand von der Straße ins Internet.
Und apropos kreativ: Bei unseren Genoss*innen von der Autonomen Antifa 170 aus Dortmund läuft immer noch der Stickercontest zur Kommunalwahl. Hier könnt ihr euch noch ein wenig austoben und ein paar schicke Aufklebermotive basteln!

Gerade in den Kleinstädten, Dörfern und Käffern in der Provinz haben wir mit Einschränkungen zu kämpfen, die Linke in den Großstädten vielleicht nicht haben – darunter etwa eine beschissene Internetverbindung. Für uns gilt es daher noch viel mehr, auch abseits der schönen Onlinewelt Wege zu finden, sich zu betätigen.

See you!

Wir hoffen, wir konnten euch ein paar Anstöße geben, um in den nächsten Wochen oder sogar Monaten aktiv zu bleiben. Und natürlich ist es absolut in Ordnung, einfach mal ein wenig zu faulenzen! Zum Abschluss möchten wir euch bitten, auf euch und die Menschen um euch herum aufzupassen. Die nächste Zeit kann nicht nur physisch, sondern auch psychisch anstrengend werden. Auch und insbesondere für uns als Linke gilt: Bleibt gesund, achtet auf euch und andere, handelt umsichtig und solidarisch und dann sehen wir uns alle hoffentlich möglichst bald wieder.

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2020/03/22/werne-corona-und-die-linke/feed/
02.11.: Demo in Dortmund – Thor Steinar dichtmachen! http://afawerne.blogsport.de/2019/10/29/02-11-demo-in-dortmund-thor-steinar-dichtmachen/ http://afawerne.blogsport.de/2019/10/29/02-11-demo-in-dortmund-thor-steinar-dichtmachen/#comments Tue, 29 Oct 2019 15:51:53 +0000 afawerne Allgemein Antifa Demo http://afawerne.blogsport.de/2019/10/29/02-11-demo-in-dortmund-thor-steinar-dichtmachen/ Ende August eröffnete in Dortmund ein Thor Steinar-Laden als Ersatz für den geschlossenen Neonaziladen in Essen. Seit der Eröffnung gibt es Protest gegen „Tønsberg“, wie das Geschäft heißt. Das Ziel ist klar: der einzige Laden der Neonazimarke Thor Steinar in Westdeutschland soll so schnell wie möglich wieder dichtmachen! Neben wöchentlichen Kundgebungen vor dem Laden, gab es auch andere Aktionen. Eine davon bewirkte, dass das Geschäft derzeit geschlossen ist. Samstag (02.11.) findet in Dortmund eine Demonstration statt, die den Neonazis klar machen soll, dass sie ihren Laden gleich ganz zu lassen sollen. Die Demo beginnt um 12:00 Uhr am Stadtgarten. Wir unterstützen die Demonstration und dokumentieren daher im Folgenden den Aufruf der Autonomen Antifa 170.
Kommt am Samstag mit uns nach Dortmund! Naziläden dichtmachen!

Aufruf: Thor Steinar dichtmachen!

Was ist Tønsberg?

Ende August eröffnete das Bekleidungsgeschäft „Tønsberg“ in der Dortmunder Innenstadt. Dieses Geschäft verkauft die Klamotten der Marke „Thor Steinar“ – eine Kleidungsmarke, die von Neonazis für Neonazis vertrieben wird. Die Marke ist zwar in Teilen der extremen Rechten umstritten, da die hinter der Marke stehende Firma Mediatex aus Brandenburg im Ausland produziert. Trotzdem erfreut sie sich nach wie vor großer Beliebtheit in einschlägigen rechten Kreisen. Sie stellt die bekannteste Neonazibekleidungsmarke dar.

Und was ist das Problem?

Thor Steinar spielt trotz heutigem unauffälligerem Auftreten bewusst mit klar menschenverachtenden und geschichtsrevisionistischen Ideologien. Neben völkisch-mythologischen Symboliken findet sich bei vielen Motiven ein positiver Bezug zum Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Kolonialgeschichte. Zusätzlich wird ein kruder Begriff von Männlichkeit hochgehalten und Gewalt glorifiziert. Klar ist: Wer Steinar trägt, will sich als Teil der rechten Szene erkennbar machen. Damit wird das Tragen der Marke ein identitätsstiftendes Merkmal für Nazis. Die ganze Firmenstrategie ist zudem darauf ausgelegt, auch in der Grauzone Kundschaft zu erreichen und dieser eine Möglichkeit zu geben, sich dezent aber für Rechte offensichtlich nach außen klar zu positionieren. Der Versuch, den neonazistischen Chic als gewöhnliche Streetwear zu vermarkten, geht einher mit der Normalisierung menschenverachtender Weltansichten und stellt dadurch eine besondere Gefahr für all jene Menschen dar, die nicht in das Weltbild der extremen Rechten passen. Zumal mit dem Verkauf der Kleidung große Geldmengen in die Kassen der extremen Rechten gespült werden.

Was bedeutet das für Dortmund?

Die Dortmunder Nazis um die Kleinstpartei „Die Rechte“ beziehen sich positiv auf das neue Geschäft. Sie machten bei Neueröffnung Werbung für den Laden und bei einer ersten Kundgebung gegen das Geschäft stellten sie sich demonstrativ vor den Laden, um ihn laut eigener Aussage zu bewachen. Denn das Geschäft in Dortmund hat eine besondere Bedeutung für die westdeutsche Naziszene: Mit der Neueröffnung befindet sich in Dortmund der einzige Thor-Steinar-Laden Westdeutschlands. Dortmund hat nun einen weiteren Anziehungspunkt für die extreme Rechte. Diesmal mitten in der Innenstadt. Das verdeutlicht und steigert nicht nur die Prestige der Dortmunder Rechten in der bundesweiten Naziszene, sondern dient dieser auch als Anlaufpunkt. Dadurch werden sich vermehrt Neonazis in der Innenstadt aufhalten – Nicht nur zum Kauf von Kleidung, sondern auch zum Vernetzen und Austauschen. Sie stellen dabei eine besondere Gefahr für all die Menschen dar, die die Nazis als ihre Gegner*innen betrachten. Somit ist der Thor Steiner Laden nicht zuletzt als Provokation und Kampfansage zu verstehen.
Der Erwerb und die Anmietung von Immobilien sind in Dortmund zudem Teil des rechten Raumkampfes. Dabei geht es um die Schaffung rechter Treffounkte und Rückzugsräume. Dortmund hat eine lange Geschichte solcher Unternehmungen. Vom ehemaligen Nationalen Zentrum auf der Rheinischen Straße, über die Nazi-WGs in einigen Straßen Dorstfelds bis zur Gründung einer eigenen Immobilienfirma durch den Neonazi Matthias Deyda.

Was tun?

Die Dortmunder Nazis können sich nicht ungestört breit machen, sondern stoßen immer wieder auf konsequenten Gegenprotest. Nicht nur, dass der Laden bereits durch Farbe markiert wurde, auch das antifaschistische Aktionsbündnis BlockaDO veranstaltete über einen Monat hinweg eine wöchentliche Kundgebung, bei der von Antifas über Zivilgesellschaft bis hin zu Anwohner*innen verschiedene Akteur*innen ihren Protest auf die Straße trugen und dabei miteinaner ins Gespräch kamen. Doch damit ist es nicht genug: So lange Nazis versuchen, sich Räume zu erkämpfen, bleibt es unsere Aufgabe, dies zu verhindern!
Unsere Demonstration stellt dabei einen von vielen Bausteinen dar, antifaschistischen Protest zusammenzutragen und auf der Straße stark zu machen. Lassen wir nicht zu, dass sich Neonazis in Dortmund breit machen und wohlfühlen. Kämpfen wir gemeinsam dafür, dass dieser Laden bald Geschichte ist.

Antifa bleibt Handarbeit!
Thor Steinar dichtmachen!

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/10/29/02-11-demo-in-dortmund-thor-steinar-dichtmachen/feed/
PM: Keine Bühne für Antisemitismus! http://afawerne.blogsport.de/2019/10/24/pm-keine-buehne-fuer-antisemitismus/ http://afawerne.blogsport.de/2019/10/24/pm-keine-buehne-fuer-antisemitismus/#comments Thu, 24 Oct 2019 11:57:48 +0000 afawerne Allgemein http://afawerne.blogsport.de/2019/10/24/pm-keine-buehne-fuer-antisemitismus/ Am 26. Oktober soll der Schlagersänger Christian Anders in der Stadthalle Kamen auftreten. Der 74-jährige ist seit Jahren dafür bekannt, Verschwörungstheorien zu verbreiten und antisemitische Positionen zu vertreten.

Wir fordern die Stadthalle Kamen auf, den geplanten Auftritt abzusagen und damit anderen Veranstalter*innen zu folgen. Nach einem offenen Brief des Bündnisses ENSSQ – Ennepe-Ruhr stellt sich quer[1] wurden sowohl eine Autogrammstunde in Witten als auch ein Auftritt in Hagen abgesagt[2][3]. Die Positionen, die Anders in Büchern, YouTube-Videos und auch in seiner Musik vertritt sind untragbar. In den letzten Jahren bemühte er u.a. die antisemitische Hetzschrift der „Protokolle der Weisen von Zion“[4], verstieg sich zu Aussagen wie „Kinder-Impfer sind Kinderschänder“[5], relativierte die Verbrechen des Nationalsozialismus‘[6], bediente unter Verdrehung von Tatsachen den rechten Mythos von den Geflüchteten, die gegenüber Deutschen bevorteilt würden[7] und phantasierte von einer Verschwörung der Illuminaten, die die Welt kontrollieren würden[8]. Kaum eine Verschwörungstheorie, kaum ein Ressentiment, dessen sich Christian Anders noch nicht bedient hat.

Ein Paradebeispiel für sein antisemitisches Verschwörungsdenken ist das Lied „Der Hai“. Darin „rappt“ Anders[9][10]:
„Ich hab die Macht, ich hab das Geld, ich bin der Herrscher dieser Welt.
Ich schick euch täglich auf die Rolle, ihr kennt sie nicht, ‚Die Protokolle‘.“

Gemeint sind damit die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“, eine nachweislich gefälschte, antisemitische Propagandaschrift, die von Antisemit*innen bis heute als „Beweis“ einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung angeführt werden. Und auch Anders bemerkt in seinem Lied kurz darauf:
„Auf sieben Säulen ruht die Welt, sieben Familien haben das Geld. Ob Rothschild, Cohn oder Donati, man nennt uns auch Illuminati. Mit Aids verseuchen wir die Welt, und machen mit der ‚Heilung‘ Geld.“
Die Namen jüdischer Bankiersfamilien wie Rothschild oder Cohn dienen innerhalb rechter und verschwörungstheoretischer Kreise als Code, um nicht „jüdische Weltverschwörung“ sagen zu müssen. Eingeweihten ist dennoch sofort klar, wer eigentlich gemeint ist. Die Rothschild-Zeile strich Anders dann auch zügig wieder aus dem Lied. In das Bild der weltbeherrschenden Verschwörung passt auch die herbeiphantasierte Allmacht dieser „Illuminati“. So sollen diese für Seuchen und Krankheiten wie AIDS verantwortlich sein und den Lauf der Geschichte bestimmen, wie aus einigen späteren Zeilen hervorgeht:
„Ob Bankencrash oder Französische Revolution, ich hab’s geplant, ich wusste es schon.“
Es war solcher Verschwörungswahn, der schon im NS die Grundlage für die Verfolgung und Vernichtung von Jüd*innen bildete.

Anders vertritt eine Ideologie, die aktuell wieder in zahlreichen Ländern der Welt mordet. Die Konsequenz aus Anschlägen wie jenem in Halle kann nur sein, Antisemitismus, Rassismus und Verschwörungsdenken entschlossen entgegenzutreten. Dazu gehört auch, ihren Propagandist*innen keine Bühne zu bieten. Der Auftritt Christian Anders‘, der als exklusiver Solo-Auftritt nach 20 Jahren beworben wird[11], muss abgesagt werden! Antisemitismus „polarisiert“ nicht, Antisemitismus ist keine „unbequeme Meinung“, Antisemitismus ist eine Vernichtungsideologie!

Wir fordern die Stadthalle Kamen daher nachdrücklich auf, den Auftritt am 26. Oktober abzusagen. Wir fordern außerdem die Veranstalter*innen auf, sich von den Positionen, die Anders vertritt, zu distanzieren und die Zusammenarbeit einzustellen.

Antifa UNited
Antifa Werne
Autonome Antifa Lünen

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/10/24/pm-keine-buehne-fuer-antisemitismus/feed/
12.10.: Kundgebung gegen antisemitische Gewalt in Werne http://afawerne.blogsport.de/2019/10/10/12-10-kundgebung-gegen-antisemitische-gewalt-in-werne/ http://afawerne.blogsport.de/2019/10/10/12-10-kundgebung-gegen-antisemitische-gewalt-in-werne/#comments Thu, 10 Oct 2019 15:30:35 +0000 afawerne Allgemein Demo http://afawerne.blogsport.de/2019/10/10/12-10-kundgebung-gegen-antisemitische-gewalt-in-werne/ Wir dokumentieren im Folgenden die Ankündigung des Werner Bündnisses gegen Rechts (WBgR) zu deren Kundgebung am kommenden Samstag (12.10.) um 12:30 Uhr am Moormannplatz in Werne. Wir schließen uns dem Aufruf an. Kommt Samstag in die Innenstadt und zeigt euch solidarisch mit den Betroffenen antisemitischer Gewalt!

Am Samstag, dem 12.10., ruft das Werner Bündnis gegen Rechts um 12:30 Uhr bei der Partnerschaftsuhr am Moormannplatz zu einer Kundgebung anlässlich des Anschlags in Halle an der Saale vom vergangenen Mittwoch auf. Dort hatte ein bewaffneter Mann an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versucht, in die Synagoge einzudringen, in der zu dem Zeitpunkt zahlreiche Jüd*innen den Festtag begingen. Der Täter, der das Ziel verfolgte, möglichst viele „Anti-Weiße“ – bevorzugt Jüd*innen – umzubringen, schoss daraufhin auf Passant*innen und griff einen Imbiss an. Er tötete nach derzeitigem Stand zwei Meschen. In seinem Manifest tat der Täter seine antisemitische Ideologie kund und berief sich auf eine Reihe rechter Verschwörungstheorien.
Unter dem Motto „Gegen jeden Antisemitismus“ möchte das Bündnis gegen Rechts daher ein Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen des Anschlags und den Opfern antisemitischer Gewalt setzen sowie der Getöteten gedenken.

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/10/10/12-10-kundgebung-gegen-antisemitische-gewalt-in-werne/feed/
5 Jahre WBgR! http://afawerne.blogsport.de/2019/09/26/5-jahre-wbgr/ http://afawerne.blogsport.de/2019/09/26/5-jahre-wbgr/#comments Thu, 26 Sep 2019 13:42:40 +0000 afawerne Allgemein http://afawerne.blogsport.de/2019/09/26/5-jahre-wbgr/ Das Werner Bündnis gegen Rechts ist vor einigen Wochen 5 Jahre alt geworden. Als Teil des Bündnisses möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die seit einem halben Jahrzehnt gemeinsam mit uns die Arbeit im Bündnis stemmen. Mögen noch viele weitere Jahre folgen! Wir möchten an dieser Stelle die vollständige Pressemitteilung des WBgR zu diesem Anlass dokumentieren. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass auch die Antifa Werne Anfang September wieder Geburtstag gefeiert hat. Uns gibt es jetzt bereits seit 8 Jahren! Geschenke und Glückwunschkarten nehmen wir und/oder das Bündnis am Samstag auf der ‚Solidarität ist die Alternative!‘-Demo entgegen. So, nun lassen wir das WBgR sprechen:

5 Jahre Werner Bündnis gegen Rechts

Fünf Jahre ist es her, dass am 8. September 2014 das Werner Bündnis gegen Rechts, kurz: WBgR, gegründet wurde. „In Dortmund war Anfang des Jahres das BlockaDO-Bündnis an den Start gegangen, um die unterschiedlichen, bereits bestehenden Bündnisse an einen Tisch zu bringen und erstmals seit langem wieder gemeinsam gegen den Neonaziaufmarsch am 1. Mai zu protestieren. Etwas Ähnliches wollten wir auch in Werne: unterschiedliche Akteur*innen, die sich hier gegen Rechts engagierten zusammenbringen“, erinnert sich Philipp Müller, Sprecher des Bündnisses.
Auf Dauer war das Bündnis dabei gar nicht unbedingt angelegt. Zunächst ging es vor allem um die Unterstützung von Protesten gegen einen Aufmarsch von Neonazis in der Nachbarstadt Hamm. Gegen die rund 200 Rechten gingen 1000 Antifaschist*innen auf die Straße. Bereits im Hauptbahnhof gab es Blockaden gegen die anreisenden Neonazis. Bei der Nachbereitung der gemeinsamen Beteiligung an der Gegendemonstration in Hamm wurde beschlossen, weiterhin als Bündnis zusammenzuarbeiten.
„Das war am Anfang gar nicht so einfach. Wir wollten zwar alle den Gegenprotest in Hamm unterstützen, aber dauerhaft zusammen zu arbeiten war für die unterschiedlichen Gruppen und Einzelpersonen erstmal mit vielen langen Diskussionen verbunden“, erklärt Müller schmunzelnd, „Am Ende setzte sich allerdings die Überzeugung durch, dass der Wissensaustausch und die Vernetzung untereinander die Mühe wert sind. Zu einer eigenen Homepage konnten wir uns aber immer noch nicht durchringen“.
Mittlerweile ist das Bündnis ein eingespieltes Team auch wenn die Mitglieder nach wie vor auch ihre eigenen Perspektiven mitbringen. In den letzten Jahren hat das WBgR unter anderem Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit betrieben – immer auch mit Blick auf lokale Neonazis. Auch in der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus’ und deren Aufarbeitung mischte sich das Bündnis früh ein. „Im November 2014 fand die erste eigene Kundgebung des Bündnisses in Werne statt. Im Anschluss an die städtische Gedenkveranstaltung am 9. November führten wir eine eigene Kundgebung zum Gedenken an die Novemberpogrome durch. Grund dafür war die Debatte um die damalige Gedenktafel am ehemaligen Standort der Synagoge, auf der der Propagandabegriff ‘Reichskristallnacht’ übernommen worden war. Darauf wollten wir aufmerksam machen“, bemerkt Philipp Müller.
Neben dem Austausch und der Vernetzungsarbeit ist aber das Unterstützen von Protesten gegen Neonazis in anderen Städten das Kerngeschäft des Bündnisses geblieben. Philipp Müller dazu: „Unser Ansatz war immer, klarzustellen, dass wir andere Städte unterstützen, wenn sich dort Rechte breitzumachen versuchen, weil wir in der glücklichen Lage sind, dass hiesige Neonazis kaum öffentlich auftreten. Und das handhaben wir auch weiterhin so. Diese Solidarität ist für uns eine Selbstverständlichkeit“.
Am häufigsten standen dabei Dortmund und Hamm auf der Liste und auch an diesem 3. Oktober wird das Bündnis gegen Rechts wieder zur Demonstration nach Hamm fahren – auch wenn der Neonaziaufmarsch inzwischen nicht mehr stattfindet. „Die Unterstützung der Demonstration in Hamm ist inzwischen schon Tradition und im fünften Jahr unseres Bestehens natürlich auch etwas Besonderes“, ergänzt Müller.
Den „Geburtstag“ gefeiert, hat das WBgR allerdings noch nicht. „Dazu sind wir bislang nicht gekommen. Die Vorbereitungen für die ‘Solidarität ist die Alternative!’-Demonstration in Werne am 28.09. haben uns einfach zu sehr beschäftigt“, erklärt Müller, „Aber wer uns gratulieren will, kann das gerne bei der Demonstration tun oder am 3. Oktober mit uns nach Hamm fahren“.
Das Werner Bündnis gegen Rechts wird der Stadt jedenfalls noch weitere Jahre erhalten bleiben.

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/09/26/5-jahre-wbgr/feed/
3 Wochen, 3 Demos in Werne und Umgebung http://afawerne.blogsport.de/2019/09/19/3-wochen-3-demos-in-werne-und-umgebung/ http://afawerne.blogsport.de/2019/09/19/3-wochen-3-demos-in-werne-und-umgebung/#comments Thu, 19 Sep 2019 13:40:07 +0000 afawerne Allgemein Antifa Demo NIKA / No AfD http://afawerne.blogsport.de/2019/09/19/3-wochen-3-demos-in-werne-und-umgebung/ In den nächsten Wochen ist viel los in Werne und Umgebung. Deshalb wollen wir euch hier ein paar Infos zu den drei wichtigsten Terminen an die Hand geben. Schließlich muss das ja mal ausgenutzt werden, wenn im Hinterland so viel los ist.

20.09., Klimastreik in Werne

Am Freitag ist Werne zum ersten Mal auf der Weltkarte der Klimastreiks vertreten. Um 12 Uhr beginnt die Demonstration der Werner ‘Parents 4 Future’ am Solebadparkplatz. Am besten seid ihr schon ein wenig früher da. In Werne werden wie auch in rund 500 anderen Städten Menschen für konsequenten Klimaschutz auf die Straße gehen. Das finden wir absolut unterstützenswert. Neonazis und die AfD zu stressen, ist bei über 40°C halt auch nur halb so spaßig. Weitere Infos zum Klimastreik in Werne findet ihr hier.
Falls ihr gar nicht in Werne seid, ist das auch kein Problem, denn in vielen anderen Städten könnt ihr genauso gut für’s Klima demonstrieren gehen. Allein im Kreis Unna geht das u.a. in Lünen, Selm, Unna und Schwerte.

Falls ihr richtig motiviert seid, könnt ihr abends auch noch in Dortmund gegen Neonazis aktiv werden. Die wollen nämlich durch die Nordstadt demonstrieren, nachdem sie von ihrer Kundgebung dort vergangene Woche nicht so begeistert waren. Infos dazu findet ihr wie gewohnt bei den Dortmunder Antifagruppen oder auf twitter unter den üblichen Hashtags (#nonazisdo, #do2009).

28.09., Solidarität ist die Alternative!-Demo in Werne

Die Woche drauf findet in Werne dann die Demonstration gegen Rechtsruck und AfD in Werne unter dem Motto „Solidarität ist die Alternative!“ statt. Ein bisschen was haben wir dazu ja schon geschrieben, also sparen wir uns die langen Worte. Infos zur Demo findet ihr hier. Kommt mit uns am 28.09. um 12 Uhr vorm Bhf Werne auf die Straße für eine solidarische Gesellschaft. Werne bleibt ein ungemütliches Pflaster für die AfD!

03.10., Demo gegen rechte Strukturen in Hamm

Was wäre der Oktober ohne den jährlichen Abstecher nach Hamm am 3. Oktober? Eben! Also fahren wir auch dieses Mal in die Nachbarstadt und unterstützen dort die „Kein Raum für Nazis“-Demo des antifaschistischen Jugendbündnisses haekelclub590. Los geht’s um 13 Uhr in der Luisenstraße am Hbf Hamm. Den Aufruf findet ihr hier.

Also: Runter von der Couch, der gemütliche Herbst kann warten! Erstmal gibt’s viel Protest für Solidarität und Klimaschutz – gegen Neonazis und Rechtsruck!

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/09/19/3-wochen-3-demos-in-werne-und-umgebung/feed/
28.09.: Demo in Werne? Demo in Werne! http://afawerne.blogsport.de/2019/09/18/28-09-demo-in-werne-demo-in-werne/ http://afawerne.blogsport.de/2019/09/18/28-09-demo-in-werne-demo-in-werne/#comments Wed, 18 Sep 2019 13:33:31 +0000 afawerne Allgemein Antifa Demo NIKA / No AfD http://afawerne.blogsport.de/2019/09/18/28-09-demo-in-werne-demo-in-werne/ In Werne wird am 28. September unter dem Motto „Solidarität ist die Alternative!“ gegen AfD und Rechtsruck demonstriert. Ja, im sonst so ruhigen Werne. Start ist um 12 Uhr am Bahnhof Werne. Organisiert wird die Demonstration von einem breiten Kreis an Organisator*innen, zu dem auch das Werner Bündnis gegen Rechts gehört, dessen Teil wir sind. Informationen zur Demonstration findet ihr auf dem Demo-Blog. Haltet euch den Tag frei, bringt eure Freund*innen mit und kommt mit uns und vielen anderen auf die Straße!
Im Folgenden möchten wir den Aufruf der Organisator*innen dokumentieren.

Solidarität ist die Alternative!

+++Demonstration in Werne am 28.09.+++Start: 12 Uhr, Bahnhof Werne+++

Wir leben in Zeiten der Krise. Seit ungefähr zehn Jahren erleben wir eine ökonomische Krise, seit fünf Jahren eine sogenannte „Flüchtlingskrise“, die eigentlich „Rassismuskrise“ heißen müsste. Hinzu kommt z.B. noch die Klimakrise, aber auch die EU steckt in einer Krise. Alle diese sind internationale oder globale Krisen. Sie führen dazu, dass zahllose Menschen ihr Vertrauen in die schon immer brüchigen Glücksversprechen der Moderne verlieren. Und nun erleben wir einerseits, dass sich Menschen auf der Suche nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit in großer Zahl autoritären „Lösungen“ verschreiben. Der Ruf nach der starken Führungsperson, das Bedürfnis nach der vermeintlichen Geborgenheit der nationalen Gemeinschaft bei gleichzeitigem Ausschluss „der Anderen“, die Ablehnung aller Verschiedenheit, die Sehnsucht nach Homogenität, das „Wir zuerst!“, das Verlangen danach, die „Schuldigen“ benennen und abstrafen zu können, treibt große Teile der Menschheit auf der ganzen Welt um. Anderswo spült dieser Rechtsruck Regierungen wie jene von Trump, Duterte, Bolsonaro oder Orbán an die Macht. Universelle Menschenrechte, die als Bollwerk gegen rechte Ideologie galten, werden von ihnen je nach Situation gegeneinander ausgespielt oder ganz in Frage gestellt. In Deutschland drückt er sich parlamentarisch vor allem in den Wahlerfolgen der AfD aus.

Rückwärts in die Zukunft?

Die AfD ist dabei Nutznießerin und Motor des Rechtsrucks zugleich. Sie befindet sich seit Jahren in einem Radikalisierungsrausch, in dem sich Partei, Basis und Umfeld gegenseitig zu immer weiteren Tabubrüchen, immer derberen Abwertungen von Gegner*innen und Minderheiten anstacheln. Das eigentliche Drama ist jedoch, dass relevante Teile der Gesellschaft mit nach rechts rutschen anstatt dem Sog Einhalt zu gebieten. Wenn in Zeitungen zur Debatte gestellt wird, ob es nicht vielleicht doch Quatsch sei, ertrinkende Menschen zu retten. Wenn von Konservativen die Verbindung von „Sozialem“ mit „Nationalem“ oder der Begriff der „Konservativen Revolution“ wieder salonfähig gemacht wird. Wenn Menschenrechte und demokratische Prinzipien beiseite geschoben werden – und das bereits ganz ohne Regierungsbeteiligung der AfD. Dann ist das ein Vorgeschmack dessen, was auch hierzulande wieder möglich sein kann, wenn Rechte hier in Machtpositionen gelangen. Und eben davon wähnen sich Teile der AfD nicht mehr weit entfernt.
Andererseits sehen wir auch die vielen Menschen, die sich auf die Suche nach anderen Lösungen – jenseits des nationalistischen Rückfalls und der autoritären Krisenverwaltung – machen. Und die sich der Tatsache bewusst sind, dass der Nationalismus nicht eine Antwort auf die Krisen unserer Zeit ist, sondern ein Angriff auf alles Fortschrittliche, das in den zurückliegenden Jahrzehnten erkämpft wurde. Die sich bewusst sind, dass Nationalismus keine Alternative ist.

Feminismus ist die Alternative

Nationalistische Strömungen auf der ganzen Welt eint ihr Hass auf Emanzipation und Frauenrechte, auf sexuelle Selbstbestimmung und das Abschütteln der Ketten einschränkender Rollenbilder. Sie wollen die Uhr so weit wie möglich zurückdrehen. Zurück in eine Zeit, in der Frauen hinterm Herd stehen und Kinder kriegen müssen, in der Männer zur Arbeit gehen und Haus und Hof schützen. Zurück in eine Zeit, in der Abweichungen von Heterosexualität nicht geduldet werden. Zurück in eine Zeit, in der sich alle in ihren festen Platz zu fügen haben.
Wir hingegen wollen eine Welt, die Freiheit und Glück für immer mehr Menschen ermöglicht. Eine solche Welt ist nicht zu haben, wenn unsere Möglichkeiten und Chancen schon vor der Geburt mit der Feststellung unseres Geschlechts festgeschrieben werden. Wenn nicht wir selbst über unsere Körper bestimmen dürfen. Wenn wir nicht leben und lieben können, wen und wie wir wollen. Wenn wir nicht ohne Angst verschieden sein dürfen.

Antirassismus ist die Alternative

Die AfD und ihre Partner*innen in Europa und der Welt streben nach der völkischen Nation, nach dem „reinen“, dem „authentischen“ Volk. Wer nicht dazu gehört, entscheidet die Logik von Blut und Boden. Menschen sollen da bleiben, wo sie geboren wurden. Menschen werden darüber definiert, wo und von wem sie geboren wurden. Diese Vorstellung heißt Rassismus und dabei ist in letzter Konsequenz gleichgültig, ob dieser biologisch über „Rassen“ oder kulturell über abgegrenzte „Kulturkreise“ begründet wird.
Wir hingegen wollen eine Welt, in der jede und jeder frei ist, sich zu bewegen. In der Herkunft nicht festschreibt, wer wir sind, mit wem oder wie wir leben. Die Geschichte der Menschheit ist immer eine von Austausch, Migration und Vermischung gewesen und sie wird es immer bleiben.

Antifaschismus ist die Alternative

Rechte aller Schattierungen arbeiten stetig daran, die Erinnerung an die Geschichte des Nationalismus‘ in Deutschland zu entsorgen. Die geforderten „erinnerungspolitischen Wenden um 180°“ und der Stolz auf die Verbrechen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen sind billige Versuche, schönzureden, was hässlicher nicht gewesen sein könnte. Konsequenterweise verdrehen sie Begriffe, erklären autoritäre Ideologie zu Freiheitsliebe, Unterdrückung zu Natürlichkeit und den antifaschistischen Widerstand gegen ihre Politik zum eigentlichen Faschismus.
Aber wir haben nicht vergessen, wie das Gift der völkischen Ideologie schmeckt. Wir sehen die Radikalisierung in den rechten Bewegungen und wir wissen, wohin diese führen. Sie schaffen ein Klima, in dem sich Neonazis dazu berufen fühlen, gegen die bereits entmenschlichten Gegner*innen nun auch physisch vorzugehen, wie nicht zuletzt der Mord an Walter Lübcke zeigt. Diesem Klima stellen wir uns entgegen. Wir treten ein für eine Welt, in der Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Sexismus der Vergangenheit angehören.

Solidarität ist die Alternative

Wir haben riesige Demonstrationen und Kampagnen gesehen, die erahnen lassen, dass es auch noch einen anderen Entwurf davon gibt, wie unsere Zukunft aussehen kann. Es sind diese Menschen, die sich bei Seebrücke oder in lokalen Initiativen für, mit und als Geflüchtete engagieren, die bei Ende Gelände oder Fridays For Future für eine konsequente und sozial gerechte Bewältigung der Klimakrise ihre eigene Zukunft in die Wagschale werfen, die sich gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung wehren, die am Frauenkampftag für ihre Rechte auf die Straße gehen, die ihre Rechte gegen verschärfte Polizeigesetze verteidigen. Es sind diese Menschen und alle, die sich ihnen verbunden fühlen, die uns Hoffnung machen. Am 28. September werden wir um 12:00 Uhr vom Bahnhof in Werne aus gemeinsam auf die Straße gehen. Schließen wir uns zusammen für eine bessere Zukunft. Wir mögen nicht immer einer Meinung sein, aber einig sind wir uns darin, dass der Rechtsruck keine akzeptable Alternative zum Bestehenden ist. Unsere Alternative heißt: Solidarität!

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/09/18/28-09-demo-in-werne-demo-in-werne/feed/
25.05.: Alle Jahre wieder – Gegen Neonazis in Dortmund! http://afawerne.blogsport.de/2019/05/23/25-05-alle-jahre-wieder-gegen-neonazis-in-dortmund/ http://afawerne.blogsport.de/2019/05/23/25-05-alle-jahre-wieder-gegen-neonazis-in-dortmund/#comments Thu, 23 May 2019 14:42:29 +0000 afawerne Allgemein Antifa Demo http://afawerne.blogsport.de/2019/05/23/25-05-alle-jahre-wieder-gegen-neonazis-in-dortmund/ Nachdem die Neonaziszene sich am 1. Mai in Duisburg getroffen hat, war klar, dass irgendwann im Jahr auch noch ein Aufmarsch in Dortmund folgen wird. Dieser findet nun am 25. Mai statt, einen Tag vor den Wahlen zum Europaparlament. Der extrem rechte Auflauf dient damit zugleich als „Finale“ des Wahlkampfs der Partei „Die Rechte“. Wie immer ist mit uns bei den Gegenprotesten zu rechnen. Wir möchten euch daher hier einen Überblick über die Planungen und Weiteres geben. Also lest’s euch durch, packt eure Freund*innen ein und kommt mit uns, um gemeinsam den Neonazis ihr Event zu vermiesen.

Vorab…

Wie schon erwähnt: Den Neonazis geht es auch ein wenig um Wahlkampf. Wenn ihr daran interessiert seid, was „Die Rechte“ da eigentlich so fordert, könnt ihr zum Beispiel einen Blick in die Textreihe der Autonomen Antifa 170 werfen, die sich mit dem Programm und der dahinterstehenden Ideologie beschäftigt. Bislang sind zwei Artikel erschienen, einer zum Verhältnis von „Die Rechte“ zu Deutschland und Europa und einer zum Verständnis von „Die Rechte“ von Meinungsfreiheit und direkter Demokratie – zwei wichtigen Begriffen im Wahlkampf der Partei.
Aber auch abseits der textlichen Ebene ist gerade einiges los. In Werne wird bereits kräftig zu den Gegenprotesten am 25. Mai und der antifaschistischen Vorabenddemo am 24. Mai mobilisiert. Ein paar Beispiele haben wir etwa auf unserem twitter-Account dokumentiert. Oder ihr macht beim Spaziergang durch die Stadt einfach selbst ein wenig die Augen auf.
Außerdem kündigen die Faschist*innen an, morgen von 15 bis 17 Uhr eine Kundgebung in Lünen und weiteren Städten (möglicherweise auch im Kreis Unna!) durchführen zu wollen. Da weitere Infos erst später bekannt werden, solltet ihr euch am besten auf dem Laufenden halten und Augen und Ohren offen halten.

… und Vorabend

Bereits morgen, am 24.05., gibt es in Dortmund eine antifaschistische Vorabenddemo durch das Kreuzviertel. Start der Demonstration ist um 18:30 Uhr am Sonnenplatz. Ziel der Demonstration ist es, neben den Protesten am Tag des Aufmarsches selbst auch eigene linksradikale Inhalte auf die Straße zu tragen. Den Aufruf zur Demonstration unter dem Motto „Gegen den Rechtsruck“ findet ihr hier. Für regelmäßige Updates checkt ihr am besten regelmäßig den Hashtag #do2405 und achtet auf die Verlautbarungen der einschlägigen Gruppen und Kanäle.

Samstag, 25.05.

Samstag dann wollen die Neonazis durch den Stadtteil Hörde laufen. Wir unterstützen die Aktionen des Bündnisses BlockaDO gegen den rechten Auflauf. Treffpunkt für eine gemeinsame Anreise in Dortmund ist um 11 Uhr an der U-Bahn-Station Stadthaus. Das Werner Bündnis gegen Rechts empfiehlt daher in seiner Pressemitteilung die Anreise aus Werne am Samstag mit dem Zug um 10:03 Uhr. Einen Kurzaufruf zu den Gegenprotesten findet ihr hier. Für aktuelle Infos schaut regelmäßig nach dem Hashtag #do2505 in den sozialen Netzwerken.
Am Tag selbst bietet das Black Pigeon in Dortmund einen Raum, um sich auszuruhen, etwas zu essen und zu trinken und euch wiederzufinden, falls ihr euch verloren habt. Im Anschluss könnt ihr ab 18 Uhr zum „After-Demo-Tresen“ im Nordpol gehen und dort bei ein paar Drinks noch ein wenig Geld für antifaschistische Strukturen in Dortmund springen lassen. Und wo wir schon beim Thema Geld sind: BlockaDO bittet um Spenden. Also schaut doch mal, ob ihr noch ein wenig was auf der hohen Kante habt für einen guten Zweck.

Haltet euch auf dem Laufenden und kommt am Freitag und Samstag nach Dortmund. Gegen Rechtsruck und Neonaziaufmarsch!

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/05/23/25-05-alle-jahre-wieder-gegen-neonazis-in-dortmund/feed/
Nächste Woche: Gegen Neonazis und AfD – für eine linksradikale Perspektive! http://afawerne.blogsport.de/2019/04/28/naechste-woche-gegen-neonazis-und-afd-fuer-eine-linksradikale-perspektive/ http://afawerne.blogsport.de/2019/04/28/naechste-woche-gegen-neonazis-und-afd-fuer-eine-linksradikale-perspektive/#comments Sun, 28 Apr 2019 16:21:16 +0000 afawerne Allgemein Antifa Demo NIKA / No AfD http://afawerne.blogsport.de/2019/04/28/naechste-woche-gegen-neonazis-und-afd-fuer-eine-linksradikale-perspektive/ Viel los in den nächsten drei Tagen! Wir wollen euch hier einen Überblick geben, was wann wo stattfindet und wo ihr weitere Infos bekommt. Also zückt eure Terminkalender, schnappt euch eure Freund*innen und dann sehen wir uns auf der Straße! Auf geht’s:

Montag, 29.04. (Witten)

Am Montag lädt der AfD-Kreisverband Ennepe-Ruhr im Wittener Saalbau zum sogenannten „Bürgerdialog“ – einem Veranstaltungsformat, mit dem die AfD derzeit durch die Republik tourt. Konkret sollen dort drei Bundestagsabgeordnete ihre rechte Partei anpreisen und dann mit dem Publikum diskutieren. Wie schon zuvor in anderen Städten formiert sich auch in Witten Protest gegen diese Bühne für die rassistischen, nationalistischen und antifeministischen Positionen der AfD. Um 17 Uhr startet am Hauptbahnhof Witten eine Gegendemonstration des Bündnisses Ennepe-Ruhr stellt sich quer (ENSSQ). Unterstützt die Wittener*innen morgen bei ihrem Protest gegen die AfD. Für weitere Infos empfehlen wir euch die Kanäle von ENSSQ und der Antifa Witten. Auf Twitter findet ihr Neuigkeiten unter dem Hashtag #WIT2904.

Dienstag, 30.04. (Bochum)

In Bochum findet Dienstag die inzwischen schon traditionelle „Revolutionäre Vorabenddemo“ am Abend vor dem 1. Mai, also am 30. April, statt. Los geht’s hier um 18 Uhr am Hauptbahnhof Bochum. Die Demonstration, die eigene linksradikale Inhalte transportieren möchte, die am 1. Mai oft bei Protesten gegen Neonazis und Co. untergehen würden, ist stets einen Besuch wert. Wenn ihr könnt, solltet ihr also auch diesen Termin wahrnehmen. Weiteres zur Demonstration (Aufruf, Mobivideo und so weiter) könnt ihr beim Infoportal antifaschistischer Gruppen aus Bochum oder den Kanälen der einzelnen Gruppen in Erfahrung bringen. Auf Twitter empfiehlt sich ein Blick auf den Hashtag #BO3004.

Mittwoch, 01.05. (Duisburg und so weiter)

Am 1. Mai gibt es wie gewohnt zahlreiche Veranstaltungen, deren Besuch sich mal mehr mal weniger lohnt. In diesem Jahr findet in Werne vermutlich wieder eine Kundgebung der AWO statt, die immerhin 2017 für ein wenig Aufregung in der Lokalpolitik sorgte. In Dortmund lädt die anarchistische Bewegung der Stadt erneut zur „Anarchistischen 1. Mai Demo“ um 18 Uhr am Westpark.
Insbesondere möchten wir euch aber ans Herz legen, die Genoss*innen an diesem Tag in Duisburg zu unterstützen. Dort wollen die Neonazis der Partei Die Rechte aufmarschieren. Das neue Bündnis RiseUp hat sich zum Ziel erklärt, diese Demonstration zu blockieren – ein Anliegen, das wir voll und ganz unterstützen. Wenn ihr das auch so seht, dann kommt mit uns am Mittwoch nach Duisburg. Eine gemeinsame Anreise gibt es um 10:20 Uhr am Hauptbahnhof Dortmund. Treffpunkt ist am Nordausgang vorm Cinestar. Weitere Infos findet ihr auf den Kanälen von RiseUp Duisburg oder unter dem Hashtag #DU0105. Auf nach Duisburg! Kein Fußbreit den Faschist*innen!

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/04/28/naechste-woche-gegen-neonazis-und-afd-fuer-eine-linksradikale-perspektive/feed/
Aufruf: Kein Europa der Vaterländer. Kein Vaterland Europa. http://afawerne.blogsport.de/2019/04/21/aufruf-kein-europa-der-vaterlaender-kein-vaterland-europa/ http://afawerne.blogsport.de/2019/04/21/aufruf-kein-europa-der-vaterlaender-kein-vaterland-europa/#comments Sun, 21 Apr 2019 18:29:45 +0000 afawerne Allgemein NIKA / No AfD http://afawerne.blogsport.de/2019/04/21/aufruf-kein-europa-der-vaterlaender-kein-vaterland-europa/ Unter dem Motto „Kein Europa der Vaterländer. Kein Vaterland Europa.“ ruft der nordrhein-westfälische Ableger der Kampagne Nationalismus ist keine Alternative (NIKA NRW) zu einer linksradikalen Intervention in den EU-Wahlkampf und einer Beteiligung der antifaschistischen Linken an den aktuellen Sozialen Bewegungen auf. Als Teil von NIKA NRW möchten wir den Aufruf im Folgenden dokumentieren und euch einladen, euch an der Sabotage nationalistischer Wahlkämpfe zu beteiligen.

Kein Europa der Vaterländer. Kein Vaterland Europa.
Antifaschistische Kampagne zur Europawahl 2019

Ende Mai finden die EU-Wahlen statt. Gewählt werden soll zwischen neoliberaler Verteidigung des Status Quo und einer Verschärfung der autoritären Zuspitzungen. Die einen inszenieren Europa als Paradies der Menschenrechte für Wenige, die anderen haben ihren Fokus auf dem Ausbau der Mauern und Zäune an den Grenzen Europas zum Leiden von Vielen.

Festung Europa
Der italienische Innenminister Salvini hat seit seinem Amtsantritt gut daran gearbeitet, Seenotrettung zu kriminalisieren und die libysche Küstenwache zu stärken, um so fliehende Menschen in Lager zu stecken, in denen ihnen Folter, Vergewaltigung und Mord drohen. Während Italien die Seenotrettung weiter kriminalisiert und immer weniger Menschen es über das Mittelmeer nach Europa schaffen, schiebt Deutschland weiter fleißig mit dem Flugzeug nach Afghanistan und andere Kriegsgebiete ab. Möglich gemacht wird diese menschenverachtende Abschottungspolitik durch ein Ineinandergreifen vom völkischen Mob auf der Straße, rechten Parteien in den Parlamenten und einem scheinbar ohnmächtigen Bürgertum, das die Monster des Faschismus mit hervorbringt und sich dann zu fein ist, sie wieder auf ihre Plätze zu verweisen. Lieber beschließt es Verschärfung um Verschärfung im Asylrecht bei gleichzeitigem Ausbau der Abschottungsmaschinerie. Der Rechtsruck wird sich auch zur Europawahl erneut bemerkbar machen. Dabei sind sich die rechten Akteur*innen nicht immer einig, finden sich aber als „natürliche Verbündete“ (Jörg Meuthen) in ganz Europa. Lega Nord, AfD, FPÖ und Jobbik-Partei sind sich zumindest in einem einig: ein „Europa der Vaterländer“ soll gegen eine „EUdSSR“ in Stellung gebracht werden.

Die autoritäre Durchsetzung des Wettbewerbs
Die Verteidiger*innen europäischer, humanistischer Werte stellen leider nicht den Gegenpol zum Rückzug ins nationale Kollektiv dar. Der real existierende Neoliberalismus befindet sich spätestens seit der Banken- und Finanzkrise im Wanken. Spardiktate für den Süden Europas hier und später ein Brexit dort resultieren aus der Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Akkumulationsregimes. Ergebnis ist eine Abschottung nach außen und ein Schüren der Angst im Innern. Rechte Parteien und Bewegungen gewinnen nicht zu guter Letzt an Zulauf, weil sie es schaffen, soziale Konflikte zu kulturalisieren und rassifizieren und so ein Klima der Angst zu schüren, das sie für sich instrumentalisieren. Der daraus resultierende Rassismus ist zum dominierenden Modus der Wahrnehmung der sozialen Welt, zur spontanen Wahrnehmung der Welt als Gegensatz zwischen In- und Ausländer*innen geworden. Soziale Konflikte werden rassistisch gewendet durch ein System, das Menschen nach ihrer Verwertbarkeit selektiert. Die daraus resultierenden Ressentiments und Affekte werden durch die Rechten, aber schon lange nicht mehr nur dort, mit einem stabilen diskursiven Rahmen und gesellschaftlicher Legitimität versehen. Dieses Phänomen beschreiben wir als autoritäre Formierung von Staat und Gesellschaft.

Beyond Europe
Das Versprechen gleicher Rechte und Freiheiten für alle in der EU kann nicht eingelöst werden. Abschiebeknäste und tägliche Gängelei durch rasstische Bullen und Sozialämter stellen die Realität in der Gemeinschaft der uneingelösten Freiheitsversprechen des Friedensnobelpreisträgers 2012 dar. In Frankreich, Vorzeige-EU-Mitglied und Land der Aufklärung, trägt sich das Ergebnis der eurpäischen Politik aktuell auf die Straßen, wo seit November die Gilet Jaunes gegen die Alternativlosigkeit der neoliberalen Technokratie revoltieren. Dem Bürgerdialog von EU-Liebhaber Macron wurde zuletzt eine klare Absage erteilt. Die liberalen Freiheitsversprechen des europäischen Projekts werden offenbar nicht eingelöst. Stattdessen antwortet die Regierung Macrons mit Tränengas und Schockgranaten.

Wenn die Christdemokraten nun Manfred Weber ins Rennen schicken und die SPD sich für ein starkes Europa mit mehr Gerechtigkeit für Wenige einsetzt, zeigt das nicht nur, dass die bayerischen Wahlkampfversprechen keinen Widerspruch zur Nation Europa darstellen und bei den anderen die selbsterfüllende Prophezeiung des Scheiterns eintreten wird, sondern auch den Mangel an Alternativen gegenüber dem Herrschaftszusammenhang EU. Wenn das letzte Jahrzehnt der massiven Kürzungspolitik und Technokratie eines gezeigt hat, dann dass die Antwort auf die bestehende Misere abseits des deutsch-europäischen Hegemonierprojekts zu suchen ist. Es gibt durchaus Alternativen zur schlechten Realität des europäischen Kapitalismus. Die aktuellen sozialen Bewegungen, wie Fridays for Future, der internationale Frauen*streik und die Kämpfe um Verteilungs- und Wohnraumfragen im Rahmen des europaweiten Aktionstags gegen #Mietenwahnsinn liefern einen guten Ausgangspunkt, um Antworten auf die Krise des Klimas, der Reproduktion und der Ökonomie zu finden.

Im Rahmen von NIKA rufen wir dazu auf, den EU-Wahlkampf im Mai und die Wahlen am 26. Mai von AfD, FPÖ und anderen Rechten zu stören. Zuletzt machten mitunter Schüler*innen in Hamburg gegen die AfD mobil und auch in anderen Städten lohnt es sich wieder, sich einzumischen und den Rechten nicht die Bühne zu überlassen. Die aktuellen sozialen Bewegungen liefern ebenfalls einen guten Anknüpfungspunkt für eine linke Intervention im Rechtsruck. Wenn die Großdemos für ein liberales Europa stattfinden, wollen wir für eine Alternative jenseits staatlicher Grenzen, nationalistischer Spaltungen und den Verwertungszwängen des Kapitals eintreten. Erteilen wir den unterschiedlichen Varianten nationaler Interessenspolitik und rassistischer Hetze eine nachhaltige Absage. Zeigen wir, dass eine andere, eine bessere Welt möglich ist!

]]>
http://afawerne.blogsport.de/2019/04/21/aufruf-kein-europa-der-vaterlaender-kein-vaterland-europa/feed/