Holtkamp 1 Vorne Holtkamp 1 Hinten

Dieser Flyer wurde in Werne im Frühjahr 2016 im Bereich um den Holtkamp verteilt. Im Folgenden möchten wir uns mit den Behauptungen dieses Flyers beschäftigen. Der folgende Text erschien auch in einer gekürzten Version als Flugblatt.

Holocaustleugnung nach Werne importiert

Bereits die Vorderseite zeigt die Schlagrichtung dieses Flyer auf: der Holocaust (oder die Shoa) wird als „schwärzeste Lüge der Geschichte“ bezeichnet und damit ausdrücklich geleugnet. Im Folgenden wird im Wesentlichen eine Meldung übernommen, die in rechten und verschwörungstheoretischen Kreisen schon länger die Runde macht: es geht um eine Behauptung eines ehemaligen Kandidaten der US-Republikaner, Artur Jones. Dieser erklärte die Vernichtung von rund 6 Mio. Jüd*innen zur Lüge, die nur verbreitet worden sei, damit die Jüd*innen nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschland damit erpressen können. So weit, so stumpf. Zunächst einmal fällt auf, dass bereits die ursprüngliche Meldung sehr schlecht recherchiert ist (weitere Infos dazu finden sich unter anderem hier). Zudem muss berücksichtigt werden, dass es sich bei Artur Jones um einen Antisemiten und bekennenden Nationalsozialisten handelt (siehe: hier), der entsprechend ein Interesse daran hat, den Holocaust als Lüge hinzustellen, um den Nationalsozialismus so zumindest ein Stück weit reinzuwaschen. Weder Jones noch die Fans der Meldung über seine Aussage liefern Belege für diesen Versuch von Geschichtsverdrehung. Auch in dem Flugblatt, das in Werne verteilt wurde, suchen wir sie vergeblich. Außerdem beweist die Tatsache, dass selbst aus der bereits mangelhaften Ursprungsmeldung falsch abgeschrieben wurde, von welch mangelhafter Qualität die Flugblätter sind. So beruft sich die Ursprungsmeldung z.B. auf ein Interview mit der Huffington Post (das es so nie gab), das Flugblatt jedoch auf ein Interview mit einer ‘Huntington Post’. Blöd gelaufen. Da wir davon ausgehen, dass den meisten Menschen bewusst sein dürfte, dass es sich bei der Shoa um einen gesicherten historischen Tatbestand handelt, wollen wir uns nicht weiter an diesem Punkt abarbeiten. Wer mehr zu dem Thema lesen möchte, die*den verweisen auf folgende Seiten: hier und hier.

Die alte Leier…

Auf der Rückseite geht es dann im für die Flugblätter eigentümlichen Stil weiter („(…) um an Israel bis 1978 60 Mia. DM Wiedergutmachung! zahlen zu können!“). Es folgt ein für Verschwörungstheorien typisches Potpourri an willkürlich zusammengesuchten Verweisen auf angebliche Belege für die riesige jüdische Weltverschwörung, die sich die Autor*innen einbilden. Hier werden als Belege neben dem Buch eines Shoa-Überlebenden zum Beispiel ein Gebet und eine Bibelstelle angeführt – kein Witz! In bester kulturalistischer Manier werden außerdem Jüd*innen pauschal Charakterzüge zugeschrieben, die sie alle teilen würden, einfach weil sie Jüd*innen seien. Diese Charakterzüge sind dann auch die gleichen, die ihnen schon seit Jahrhunderten zugeschrieben werden: Anmaßung, Lüge und Betrug. Some stories never seem to get old. Diese Zuschreibung von Eigenschaften oder Merkmalen aufgrund der Zugehörigkeit zu einer „Kultur“ oder – spezifischer in diesem Fall – einer Religion ist ebenso so platt und falsch wie beim Rassismus. Beim Kulturalismus oder kulturellem Rassismus wird letztlich nur die biologisch definierte „Volkszugehörigkeit“ als Determinante für bestimmte Eigenschaften und Charakterzüge durch die Zugehörigkeit zu einer Kultur oder Religion ersetzt. Beide Varianten scheitern jedoch kläglich an der Realität. Dass Jüd*innen genauso unterschiedlich sind wie Christ*innen, Deutsche oder die Leute, die in deiner Straße wohnen, ist kein Geheimnis. Wer mehr zum Thema Kulturalismus lesen möchte, der*dem sei z.B. der folgende Straßen aus Zucker-Artikel ans Herz gelegt.