Archiv für August 2017

Von Kraken, Antisemitismus und anderem Unfug

Vor einigen Tagen teilten wir über unseren Twitter-Account mit, dass DKP-Aufkleber mit einem bestimmten Motiv, die kürzlich in Werne aufgetaucht sind, von uns entfernt worden seien. Dieser Tweet ist – gemessen an der gewöhnlichen Reichweite unserer Posts – sehr breit rezipiert worden und hat einiges an Diskussionen nach sich gezogen und darunter auch ein paar ganz schön fiese Reaktionen. Wir haben uns daher dazu entschieden, einen kleinen Beitrag dazu zu verfassen. Einerseits weil wir das, was passiert ist, noch einmal aufarbeiten möchten und unsere Kritik etwas ausführlicher ausformulieren wollen als in 140 Zeichen. Andererseits, weil wir hier auch zu einigen Beiträgen in der entstandenen Diskussion Stellung beziehen möchten. Vorab: es geht uns weder darum, gegen die DKP zu „hetzen“, noch bereitet es uns ein besonderes Vergnügen, uns mit anderen Linken anzulegen. Wir haben – auch hier in Werne – mit genug Mist zu tun, darunter auch mit Antisemitismus, der ein paar fragwürdige DKP-Aufkleber locker in den Schatten stellt. Gerade deshalb finden wir es aber umso wichtiger, die Debatte zu führen und latenten Antisemitismus oder einen unkritischen Umgang mit latent antisemitischer Symbolik auch in „der Linken“ zu kritisieren. (mehr…)

PM: Rechtsradikale Aufkleber in Werne entfernt

In Werne ist erneut eine größere Menge rechtsradikaler Aufkleber aufgetaucht. Vergangenen Mittwoch, am 9. August, entfernte die Antifa Werne diese bereits wieder aus dem Stadtbild. Die Aufkleber waren in den Tagen zuvor vor allem im Bereich der Innenstadt insbesondere der Steinstraße angebracht worden. Das Vorgehen ähnelt dabei einem Vorfall aus dem August letzten Jahres, den das Werner Bündnis gegen Rechts öffentlich machte. Lena Milani, Sprecherin der Antifa Werne, dazu: „In Werne tauchen in gewissen Abständen immer wieder rechte Aufkleber auf. Die aktuelle Welle war die erste größere Aktion nach den Neonazi-Aufklebern vor knapp einem Jahr. Zum ersten Mal seit Jahren waren unter den Motiven auch wieder solche der rassistischen, sogenannten ‘Identitären Bewegung’. Aufkleber einer rechtsradikalen Facebook-Gruppe, die die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg leugnet, stellten den größten Anteil der ca. drei Dutzend Aufkleber“.
Nachdem Mitglieder der Antifaschistischen Aktion Werne auf die Aufkleber aufmerksam geworden waren, wurden diese von den Laternen und Straßenschildern gekratzt, Unbekannte hatten einzelne der Aufkleber offenbar bereits überklebt. Lena Milani: „Als antifaschistische Gruppe gehört es zu unseren Kompetenzen, rechte Umtriebe in der Stadt zu beobachten und entsprechend zu intervenieren. Wer selbst rechte Aufkleber oder Ähnliches beobachtet, kann sich jederzeit bei uns melden. Das lohnt sich schon allein deshalb, da wir die einzige Gruppe in Werne sind, die eine umfangreiche Dokumentation rechter Aktivitäten vornimmt“.

RechtsRock in Themar mit Beteiligung aus Werne

Bereits am 15. Juli fand im südthüringischen Themar mit dem sogenannten „Rock gegen Überfremdung“ das mit ca. 6000 Besucher*innen bislang größte RechtsRock-Konzert des Jahres in Deutschland statt. Dabei handelte es sich um ein Event von, mit und für Neonazis. Das Gelände für diese und eine weitere ähnliche Veranstaltung Ende Juli stellte der Bürgermeister der Gemeinde Grimmelshausen und Ex-AfD-Mitglied, Bodo Dressel, zur Verfügung. Zuletzt war von 43 Strafanzeigen die Rede, die die Veranstaltung nach sich zog. Die Bilder von zahlreichen Neonazis im Publikum, die während der Auftritte der Bands beispielsweise den Hitlergruß zeigten, legen den Verdacht nahe, dass es sich dabei bislang eher um ein symbolisches Vorgehen der Polizei handelt.
Unter besagten Bands befand sich neben weiteren Szenegrößen auch der Werner Neonazi Dennis Linsenbarth und seine Band „Sleipnir“. Sowohl die Band als auch Linsenbarth selbst sind fest verankert im deutschen RechtsRock. Auch wenn von Zeit zu Zeit mal Erklärungen verfasst werden, man habe damit ja gar nichts (mehr) zu tun, wenn dies gerade opportun ist, ändert das wenig an den Fakten. In einer eigenen Band-„Biografie“ heißt es etwa von Seiten Sleipnirs an ihre Fans gerichtet: „Ihr seit nicht ‘Rechts’, ihr seit nicht ‘Links’, ihr habt einfach Rückrad bewiesen !“(alle Fehler im Original).
Der Auftritt der Band in Themar dürfte hingegen eindeutig bewiesen haben, wo die Band und auch wo ihre Fans stehen. Aber auch abseits von Sleipnir trägt Dennis Linsenbarth aktuell wieder seine Gesinnung nach außen – zum Beispiel in den sozialen Netzwerken. In diesem Sinne: behaltet Neonazis im Auge und lasst euch nicht von platten Distanzierungen oder Ähnlichem verunsichern! Keine Bühne für RechtsRock!