AfD-Wahlkampftour: Versagen in 3 Akten

Was machen ein Juso, eine Autonome und eine Seniorin an einem Samstagnachmittag bei mäßigem Wetter in der Innenstadt von Werne? Richtig, gemeinsam gegen die AfD protestieren. Diese – oder besser ihr Kreisverband Unna – hatte für den 18. März zu einem „Politischen Großkampftag“ geblasen, der mit einem AfD-Stand in Werne enden sollte. Doch wie so häufig, wenn sich der AfD-Kreisverband Unna mal wieder maßlos überschätzt, endete das Ganze anders, als sich das die Rechtspopulist*innen ausgedacht hatten. In diesem Fall in einem Versagen in drei Akten.

1. Akt – Die Ankündigung

Die AfD ließ sich reichlich Zeit, ihren Plan offen anzukündigen. Vielleicht dachte die Truppe um Sprecher Michael Schild, so könne Gegenprotest vermieden werden, wie bei einer Protestaktion der AfD in Kamen am 12. März. Vielleicht waren sie auch einfach zu langsam. Guido Reil jedenfalls, Wahlkampf-Maskottchen der AfD, verbreitete am 17. März auf Facebook eine Liste von Städten im Kreis Unna, die im Rahmen einer Wahlkampftour am folgenden Tag abgeklappert werden sollten. Auch die genauen Zeiten und Orte, an denen die AfD stehen würde, enthielt die Liste. Einige Zeit darauf folgte der Kreisverband Unna, veröffentlichte aber nur die Städte und die nicht einmal in der korrekten Reihenfolge. Nachdem beim Kreisverband aber wohl eingesehen wurde, dass die Katze eh aus dem Sack ist, entschloss man sich dort wenig später, nun auch die genauen Zeiten und Orte zu veröffentlichen und großspurig vom „Großkampftag“ zu schwadronieren. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass bereits mit den mangelhaften Absprachen das Drama seinen Lauf nahm. Gegen Abend des 17. März hatte die Information in Werne die Runde gemacht und die ersten Personen und Gruppen begannen, sich auf den Samstag vorzubereiten. Laut Plan der AfD hätte diese von 15:15 Uhr bis 16:00 Uhr in Werne halten sollen. Ein LKW mit der peinlichen Bezeichnung „Eurowehr“ wurde versprochen und die drei Direktkandidaten für Unnaer Wahlkreise Hans-Otto Dinse, Michael Schild und Osan Yalcin sollten mit besagtem Maskottchen Guido Reil vorbeischauen.

Akt 2 – Das „Vorspiel“

Wie die Autonome Antifa 170 berichtet, war die AfD-Truppe bereits von ihrer ersten Station in Schwerte an mit Gegenprotesten konfrontiert. Außerdem hatten die Rechten, die sich gerne „volksnah“ geben, scheinbar wenig Ahnung von den Orten, in denen sie auf Stimmfang gingen. In Bönen und Kamen standen sie an Plätzen, an die sich nur wenige Passant*innen verirrten. In der verqueren Selbsteinschätzung des Kreisverbands allerdings wird freilich von einer „gelungenen Aktion“ geschrieben. In Lünen wurden sie dann auch noch von Gegendemonstrant*innen empfangen, die schon auf sie gewartet und den Pavillon in der Innenstadt in Beschlag genommen hatten. Für die AfD bedeutete das, im Regen stehen zu müssen. Immer wieder schlug den Rechten in den verschiedenen Städten die Ablehnung, die sie verdienen, auch von einfachen Passant*innen entgegen. Mit etwas Verzögerung machte sich der AfD-Tross dann auf den Weg Richtung Werne.

Akt 3 – Trümmerhaufen statt Großkampftag

In der Lippestadt hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 30 Personen der unterschiedlichsten Spektren eingefunden, um der AfD zu zeigen, dass sie von deren rassistischer, antifeministischer, nationalistischer und sozialchauvinistischer Hetze so gar nix halten. Eine Spontanversammlung wurde angemeldet und schon bald wuchs die Gruppe auf bis zu 60 Personen an. Was auf dem Marktplatz vor‘m alten Rathaus jedoch völlig fehlte, war die AfD. Diese musste sich zu diesem Zeitpunkt unter anderem von einigen Aktivisten der Jungen Alternative trennen, die extra herangekarrt worden waren, womit der Gruppe auch der letzte traurige Abklatsch von so etwas wie „jugendlichem Charme“ abhanden gekommen war. Übrig blieb eine Gruppe mit einem Durchschnittsalter von stabilen Ü50. Von Beginn an war nur eine einzige Frau* unter der rechten Reisegruppe.
Auf dem Marktplatz in Werne versammelte sich derweil eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Angehörigen verschiedener Parteien, Antifas, dem Bündnis gegen Rechts und Geflüchtetenunterstützer*innen bis hin zu Senior*innen und wütenden Jugendlichen. Mit über einer Stunde Verspätung traute sich der klägliche Rest der AfD-Karawane doch noch auf den Marktplatz – ohne Infostand, ohne LKW, ohne alles – verließ diesen allerdings wieder umgehend, als die AfD-Truppe bemerkte, dass die Gegendemonstrant*innen immer noch da waren und sich freuten, die Rechten gebührend in Empfang zu nehmen. Personen wie Michael Schild und Guido Reil verließen daraufhin komplett die Stadt und nahmen die außerhalb geparkten Smarts der AfD mit. Die so innig geliebte „Eurowehr“ wurde bei diesem Manöver auf dem K+K-Parkplatz zurückgelassen. Fünf Personen um Hans-Otto Dinse versuchten im Anschluss scheinbar noch zu retten, was ohnehin nicht mehr zu retten war: in Kleingrüppchen wollten sie durch die Stadt streifen und einzelnen Passant*innen abseits des Gegenprotests ihren Papiermüll in die Hand drücken. Blöd nur, dass in Werne um diese Zeit und bei solch einem Wetter kaum eine Menschenseele in der Fußgängerzone unterwegs war. Das hätte die AfD auch wissen können, wenn sie so viel Ahnung von den Verhältnissen im Kreis hätte, wie sie gerne behauptet. Die einzigen, die sich erbarmten, mit den Elendsgestalten in ihren blauen AfD-Jäckchen ein paar Worte zu wechseln, waren Gegendemonstrant*innen. Diese machten dem AfD-Trümmerhaufen dann auch deutlich, dass sie hier nichts zu suchen haben, woraufhin diese dann auch letztlich von dannen zogen.

Fazit

Die AfD hat am Samstag im Kreis Unna im Allgemeinen und in Werne im Speziellen eine üble Niederlage kassiert. Die grandiose Selbstüberschätzung, welche die Partei bereits im letzten Jahr an den Tag gelegt hatte, als sie 1000 Teilnehmer*innen bei ihrer Demonstration in Unna ankündigte, von denen knapp 100 tatsächlich kamen, machte sich auch am Samstag bemerkbar. Dass sich so kurzfristig in den verschiedenen Städten Protest formierte, ist ein Erfolg. Speziell für Werne sind wir mit der Bilanz voll zufrieden. Insbesondere die besonnene Entschlossenheit der Gegendemonstrant*innen ist hier zu loben. Neonazis aus Werne, die angekündigt hatten, beim AfD-Stand auftauchen zu wollen, kamen erst gar nicht hinter dem Ofen hervor. Die AfD hatte im Vorfeld angekündigt, in 10 Stunden (von 9 Uhr bis 16 Uhr – finde den Fehler) fünf Städte abklappern zu wollen. Der Kreis Unna werde blau sehen, hatten sie getönt. In Werne jedoch – und scheinbar auch in anderen Städten – sieht die Zivilgesellschaft bei rechten Spinnern rot!

Arbeiten wir auch weiterhin daran, den AfD-Wahlkampf zum Desaster zu machen!
Nationalismus ist keine Alternative!