Archiv für September 2016

3.10.: Schluss mit dem Nazischeiß!

Im nahe gelegenen Hamm findet seit Jahren Anfang Oktober – meist am 3. Oktober – ein Naziaufmarsch statt. Früher organisierte ihn die Kameradschaft Hamm, seit ihrem Verbot ist es ihre Nachfolgestruktur, der dortige Verband der Neonazipartei Die Rechte. So kontinuierlich wie die Naziaufmärsche stattfinden, so kontinuierlich stellten sich ihnen Antifaschist*innen entgegen. Dieses Jahr allerdings ist etwas anders am 3. Oktober. Nachdem eine Anmeldung der Neonazis für diesen Termin bereits erfolgt war, ist diese nun zurückgezogen worden.
Das antifaschistische Jugendbündnis haekelclub590 ruft dennoch weiterhin zu einer Demonstration auf, um eigene Inhalte gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck, die AfD, geflüchtetenfeindliche Politik und Nazis jedweder Couleur auf die Straßen zu tragen (Aufruf). Unter dem Motto „Schluss mit dem Nazischeiß!“ soll gezeigt werden, dass sich Antifaschismus nicht bloß in der Reaktion auf Naziaufmärsche ergeht. Der aktuelle Rechtsruck zeigt, dass ein reines Fokussieren auf Neonazis und ihre Umtriebe nicht ausreicht. Akteur*innen wie Pegida oder die AfD machen Positionen, wie sie von Naziaufmärschen bekannt sind, auch wieder in Talkshows, in Zeitungen, kurzum: in dieser angeblichen „Mitte der Gesellschaft“ salonfähig.
Dieser Entwicklung gilt es sich entgegenzustellen. Wir beteiligen uns daher an der Demonstration am 3. Oktober in Hamm. Beginn ist um 11 Uhr am Willy-Brandt-Platz. Selbst wenn die Neonazis an diesem Tag tatsächlich nicht durch Hamm laufen sollten, gibt es genug Gründe als Antifaschist*in oder Antirassist*in auf die Straße zu gehen.

Schluss mit jedem Nazischeiß!

„Es reicht!“ – Teil 2

Morgen findet in Dortmund die zweite Demonstration der „Es reicht!“-Kampagne gegen rechte Gewalt statt. Nach einer Serie rechter Angriffe Dortmunder Neonazis auf politische Gegner*innen von Ende Juli bis Mitte August gab es bereits am 19. August eine erste Demonstration nach Dortmund-Dorstfeld. Nun steht die zweite Aktion an. Beginn ist um 13 Uhr am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofes an der Gedenkstätte Steinwache. Dass die Kampagne notwendig ist, zeigt sich auch daran, dass es weitere rechte Angriffe gab. Aufsehen erregte außerdem ein Vorfall während einer Kundgebung der Neonazi-Partei Die Rechte in der Dortmunder Nordstadt: ein bekannter Neonazi bedrohte Antifaschist*innen mit einem Messer und zeigte den verbotenen Kühnen-Gruß, ohne dass umstehende Polizist*innen einschritten – erst der Protest von antifaschistischer Seite bewirkte eine Strafverfolgung. Wir rufen daher alle antifaschistisch engagierten Menschen dazu auf, sich an der morgigen Demonstration zu beteiligen. Im folgenden dokumentieren wir den Aufruf der Autonomen Antifa 170 aus Dortmund:
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Samstag nach Werl gegen die AfD

Dieses Wochenende findet in Werl bei Soest erneut ein Landesparteitag der NRW-AfD statt. Von antifaschistischer und antirassistischer Seite wird es Proteste gegen diese Veranstaltung in der Werler Stadthalle geben. Dass die AfD eine große Rolle im derzeitigen Rechtsruck, der durch die Gesellschaft geht, spielt, ist kein Geheimnis. Ihre regelmäßigen rassistischen Ausfälle sind medial ebenso präsent wie ihre Verbindungen in neurechte und rechtsradikale Kreise. Ihre Hetze gegen Geflüchtete und gegen „den“ Islam sind so omnipräsent wie ihr Verlangen nach dem Unfug, der gerne als „traditionelles Familienverständnis“ bezeichnet wird und in der Praxis patriarchale Strukturen, die Ablehnung von Gleichberechtigung der verschiedenen Geschlechter und Sexualitäten und das Rückgängigmachen feministischer Errungenschaften meint. Auch die Tatsache, dass die AfD sich zwar als gerne als Vertreterin der „kleinen Leute“ darstellt, ihre wirtschaftlichen Forderungen aber insbesondere diesen Menschen das Leben noch schwerer machen würden, ist nichts Neues mehr. Die Gründe für Protest gegen die AfD und ihre Fans sind damit ebenso bekannt wie vielfältig. Wenn Wahlerfolge der AfD wie zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern sich in NRW im nächsten Jahr nicht wiederholen sollen, dann müssen die AfD und ihre Positionen in Zukunft wesentlich stärkeren Gegenwind erhalten.
Am Samstag wollen wir damit anfangen. Zahlreiche Gruppen wollen morgen ein Zeichen setzen und gegen den Landesparteitag auf die Straße gehen. Zunächst soll versucht werden, die Veranstaltung zu blockieren und anschließend soll es eine Demonstration durch Werl geben. Treffpunkt für eine gemeinsame Anreise nach Werl ist der Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs um 7:45 Uhr. Aus Werne empfiehlt sich also die Anreise mit der RB50 um 7:05 Uhr.

Kommt mit uns nach Werl! Beteiligt euch an den Aktionen und kommt anschließend zum „Nationalismus ist keine Alternative“-Block auf der Abschlussdemonstration. Beginnen wir damit, an den möglichen Erfolgen der AfD zu sägen!

Neonazi-Aufkleber in Werne entfernt

Mit ein wenig Verspätung dokumentieren wir hier die bereits in der Lokalpresse erschienene Pressemitteilung des Werner Bündnisses gegen Rechts „Auch das ist Werne“. Hintergrund sind zahlreiche im Bereich der Innenstadt verklebte rechtsradikale Sticker. Aber lest selbst. Abschließend wollen wir dazu aufrufen, die Augen offen zu halten und Neonazis, ihre Aktivitäten, ihre Aufkleber oder Graffiti zu melden – gerne per Mail.

PM des WBgR – „Auch das ist Werne“

Am vergangenen Wochenende fand in Werne ein internationales Straßenfestival statt. Künstler*innen aus aller Welt präsentierten ihre vielfältigen Shows und gestalteten schöne Veranstaltungen. Die Botschaft des Festivals war: das ist Werne. Aber Werne ist auch, dass in der Facebook-Gruppe „Was in Werne passiert !“ in einer Diskussion über scheinbar linke Graffiti antifaschistisches Engagement als überflüssig erklärt wird. „Und da stellt sich mir unweigerlich die Frage….Wieso? Werne ist ja nun nicht so das rechte Pflaster also warum überall diese Graffitis?“, schwadronierte etwa ein User (Fehler im Original). Streetart ist sicherlich ein umstrittenes Thema, die Behauptung, dass Engagement gegen rechte Ideologien in Werne unnötig sei, wurde aber vom vergangenen Wochenende ad absurdum geführt. So wurde parallel zum Straßenfestival im Bereich der Innenstadt eine größere Anzahl rechtsradikaler Aufkleber verklebt. Diese stammten von dem Internetversand der Neonazi-Partei Die Rechte aus Dortmund: antisem.it. Der Name des Versands ist bei den Neonazis aus der Ruhrgebietsstadt bekanntermaßen Programm und verdeutlicht, dass Menschen, die dort ihre Aufkleber beziehen, nicht auf angebliche Dumme-Jungs-Streiche aus sind.
So wurden in Werne etwa auch vor einem Haus in der Burgstraße rechtsradikale Aufkleber verklebt, in dem bis zur NS-Diktatur Jüd*innen gelebt hatten, von denen nur eine Person fliehen konnte und den Holocaust überlebte. An der nach der Holocaust-Überlebenden Marga Spiegel benannten Sekundarschule wurden ebenfalls einige der Aufkleber angebracht. Außerdem findet sich dort ein „Addolf“[sic!]-Graffito, das möglicherweise im Zusammenhang mit den Aufklebern steht. Weitere dem Werner Bündnis gegen Rechts bekannte Aufkleber befanden sich unter anderem am Jugendzentrum JuWeL, am Roggenmarkt, im Becklohof, in der Bonenstraße (auch dort vor einem ehemals von Jüd*innen bewohnten Haus), der Burgstraße, der Steinstraße und im Bereich zwischen der Apotheke am Solebad und dem ehemaligen Jugendzentrum Rapunzel. Vor dem früheren Jugendzentrum, das nun als Unterkunft für Geflüchtete genutzt wird, klebte die Botschaft „Asylheime dichtmachen!“. Erwähnenswert ist außerdem ein entfernter Aufkleber der ‚Grauen Wölfe‘, einer rechtsradikalen türkischen Bewegung, die auch in Deutschland Fuß gefasst hat. Dieser steht allerdings mit Sicherheit nicht in Verbindung zu den frisch geklebten Neonazi-Aufklebern.
Ein gutes Dutzend engagierter Menschen folgte einem spontanen Aufruf, die rechte Propaganda aus dem Stadtbild zu entfernen. Das Werner Bündnis gegen Rechts möchte sich bei diesen Helfer*innen nochmals ausdrücklich bedanken. Sprecher des Bündnisses, Philipp Müller, dazu: „Solches Engagement gegen Rechts gehört gewürdigt – vielleicht gelangt der eine oder die andere Facebook-Diskutant*in ja zu der Erkenntnis, dass es durchaus Gründe dafür gibt, dass Neonazis hier in der Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar sind. Die Behauptung, in Werne gäbe es keine Neonazis, ist angesichts ihrer Aktivitäten nicht haltbar. Wir bleiben weiterhin aktiv gegen rechte Ideologie“.