PM: Das Problem heißt Antisemitismus!

Der Kulturausschuss der Stadt Werne hat beschlossen, den Text der Gedenktafel für die zerstörte Synagoge zu ändern, aber an dem Begriff „Reichskristallnacht“ festzuhalten. Auffällig im Artikel der Ruhr Nachrichten vom 11.09. ist vor allem, dass kein einziges Argument für die Verwendung des Begriffs genannt wird, abgesehen vom angeblichen Bekanntheitsgrad des Wortes. Lena Milani von der Antifa Werne hält dem entgegen: „Warum soll es nicht möglich sein, auf den Begriff ‚Reichskristallnacht‘ so zu verzichten wie auf ‚Negerkuss‘ oder ‚Zigeunerschnitzel‘? Diese Begriffe waren schon immer unangemessen und haben daher keinen Platz in irgendeiner ernsthaften Debatte und erst recht nicht auf einer Gedenktafel“.
Die Antifagruppe ist außerdem verwundert darüber, dass Teile des Kulturausschusses Menschen offenbar nicht die Fähigkeit zugestehen, einen belasteten Begriff in ihrem Wortschatz zu ersetzen oder sich angesichts des auf der Tafel vermerkten Datums und Geschehens erschließen zu können, dass die „Reichspogromnacht“ ein anderer (besserer) Begriff für „Reichskristallnacht“ sein könnte. Letztlich rechtfertige auch ein noch so hoher Bekanntheitsgrad nicht die Reproduktion eines Wortes, dessen Intention derart inakzeptabel ist. Lena Milani dazu: „Auch wenn viele Menschen das Wort vielleicht nicht so benutzen: der Begriff ‚Reichskristallnacht‘ glorifiziert ein antisemitisches Verbrechen und gehört damit von der Tafel gestrichen! Die bewusste Relativierung deutscher Verbrechen gegen Jüd*innen grenzt an Antisemitismus und gehört als solcher benannt“. Die Antifa Werne fordert daher, den Text für die neue Gedenktafel erneut zu ändern und dabei auf Nazijargon zu verzichten.